Deutscher Gehrlosen-Bund e.V.
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Schutz vor Diskriminierung

Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Fälle von Diskriminierung an Gehörlosen oder anderen Menschen mit Hörbehinderung es in Deutschland gibt. Die meisten Fälle liegen im Verborgenen. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. will zeigen, dass auch taube und andere hörbehinderte Menschen in Deutschland von Diskriminierung betroffen sind.  Nur mit konkreten Beispielen können wir diese Missstände aufzeigen und Änderungen bewirken.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über Diskriminierung und ein Formular, mit dem Sie uns Diskriminierungen melden können. Ziel ist es, Fälle von Diskriminierungen an tauben Menschen zu sammeln und für die weitere politische Arbeit zu verwenden.

Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt. Wenn Sie damit einverstanden sind, leiten wir Ihre Meldung an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes weiter.

Der Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht!


Wir brauchen eure Untersttzung!

23. November 2015 | Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bis zum 30. November 2015

Der DGB hat einen Film veröffentlicht. Eine schriftliche Übersetzung des Filmes ist unten zu lesen.
Rege Teilnahme erwünscht!

Der direkte Link zum Video
Das Video von der Antidiskriminierungsstelle
Hier zur Umfrage der Antidiskriminierungsstelle!


Schriftliche Übersetzung der Mitteilung in Gebärdensprache von Ludwig Herb am 23.11.2015:

Liebe Gebärdensprachgemeinschaft,
liebe Mitglieder, liebe Nicht-Mitglieder und liebe Fördermitglieder,

Wir vom Deutschen Gehörlosen- Bund e.V. wenden uns bezüglich der Umfrage zum Thema „Diskriminierung“ an Sie.

Zunächst etwas zu meiner Person. Ich bin Ludwig Herb und bin über ein Projekt für drei Jahre bei der Bundeskompetenzstelle des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. angestellt. Mein Arbeitsbereich ist besonders der Sozialpolitische Bereich.

Die Umfrage von der Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes läuft von September bis Ende November 2015. Ziel der Umfrage ist es, Diskriminierungserfahrungen und -erlebnisse, wie zum Beispiel sexuelle; religiöse und rassistische, zu sammeln. Wir vom Deutschen Gehörlosen-Bund begrüßen und beobachten diese Umfrage und wollen, dass gehörlose Teilnehmer zahlreich vertreten sind. Im Vorfeld hat der DGB diese Umfrage getestet, ich selbst habe sie auch durchgeführt.

Dabei stieß auch ich aufgrund von fehlender Gebärdenspracherklärung auf Barrieren. Die Umfrage ist nach dem Frage-Antwort- Prinzip aufgebaut. Einige Fragen sind sehr kompliziert gestellt, sodass nicht alles komplett verstanden werden kann.

Der DGB vermisst eine 100%-ige Barrierefreiheit im Sinne der Übersetzung der Fragen in Gebärdensprache. Damit ist der DGB nicht zufrieden.

Als zweiten Punkt vermisst der DGB spezielle Fragen zum Thema „Diskriminierung von Gehörlosen“. Die Fragen sind allgemein zu Diskriminierungen in der Gesellschaft gestellt, nicht etwa zu Diskriminierungen bezüglich Gehörlosigkeit.

Auf Grundlage der zwei genannten Punkte möchte der DGB nach Ende der Umfrage zu Ende November zu einem Treffen der Anti- Diskriminierungsstelle gehen, um Verbesserungsvorschläge für kommende Umfragen vorzulegen. Für diese Vorschläge benötigen wir Nachweise, dass die Gehörlosengemeinschaft nicht zufrieden ist.

Deshalb bittet der DGB Sie inständig um Teilnahme. Sie müssen nicht unbedingt komplett an der Umfrage teilnehmen und jede Frage beantworten. Klicken Sie sich einfach durch und schreiben einen Kommentar, wie z. B. „Das habe ich nicht verstanden, weil es keine Gebärdenvideos gibt!“. Auch gibt es „SQUAT“, welches eine Erklärung in Gebärdensprache ermöglicht. Probieren sie auch dieses eventuell aus.

Es wäre schön, wenn Sie sich ungefähr eine halbe Stunde Zeit nehmen. Für den DGB zählt Ihre Teilnahme und dass Sie sich auf diesem Wege mit uns beschweren. Somit hat der DGB bei der späteren Besprechung eine stichhaltigere Grundlage, dass viele Gehörlose nicht zufrieden sind.

Durch Ihre Unterstützung kann der DGB den Prozess verbessern, unsere Bedürfnisse aufzeigen und das Recht auf Gebärdensprache einfordern.

Die Umfrage geht ungefähr noch zwei Wochen. Bitte ermutigen Sie Ihre Freunde und Familien, an dieser Umfrage teilzunehmen.

Vielen Dank! Wir wünschen einen schönen Tag.


Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) bietet Beratung in Gebrdensprache an

Gehörlose Menschen können in Deutscher Gebärdensprache den Rat der unabhängigen Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) in Anspruch nehmen. Die Antidiskriminierungsstelle ist die erste Bundesbehörde, die diesen barrierefreien Kommunikationsweg ermöglicht. Mit dem sogenannten Signing Question and Answer Tool können gehörlose Menschen, die eine diskriminierende Erfahrung gemacht oder beobachtet haben, mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ohne Barrieren kommunizieren.

Mehr Informationen zur Beratung bei Diskriminierung in Gebärdensprache hier


Aktiv gegen Diskriminierung

Links beim Deutschen Institut für Menschenrechte:


Unwetter oder Gefahren drohen

05. Oktober 2012 | Taube Menschen stehen im Regen!

 

Es besteht dringender Handlungsbedarf beim Katastrophenschutz.
Mehr Informationen finden Sie in der Pressemitteilung und im Gebärdensprachvideo.

Die Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten-Selbsthilfe und Fachverbände, der Deutsche Schwerhörigenbund und der Deutsche Gehörlosen-Bund arbeiten derzeit gemeinsam am Projekt „Katastrophenschutz“ für hörbehinderte Menschen. Dafür möchten wir Informationen, Daten und Material sammeln.

Mehr in der Pressemitteilung

Gebärdensprachvideo von Wolfgang Bachmann, Beisitzer im Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes:

Der Text zum Gebärdensprachvideo:
Hallo mein Name ist Wolfgang Bachmann. Ich bin Beisitzer im Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes.

Die Deutsche Gesellschaft, der Deutsche Schwerhörigen-Bund und der Deutsche Gehörlosen-Bund arbeiten derzeit gemeinsam am Projekt „Katastrophenschutz“ für Hörbehinderte. Wir möchten Informationen, Daten und Material sammeln.

Wir möchten aufzeigen, was es bedeutet, wenn eine Hörschädigung vorliegt im Zusammenhang mit dem Thema Katastrophenschutz z.B. fehlen Gesetze für Gehörlose und Schwerhörige. Sie können beispielsweise nicht die Radiodurchsagen hören, bei den Fernsehsendungen gehen Informationen durch fehlende Untertitel bzw. Einblendung von Dolmetschern verloren.
Im Falle z.B. eines Hochwassers mit Sturmwarnung müssen viele Orte schnell evakuiert werden. Die Menschen mit Hörbehinderung können aber die Alarmsirenen nicht hören und verpassen diesen Alarm. Auch von den Polizeiwägen, die mit laufenden Sirenen durch die Straßen fahren, bekommen die Gehörlosen bei sich zuhause nichts mit.

2002 gab es in Dresden ein furchtbares Hochwasser und bedrohte die ganze Stadt. Polizeiwägen mit Sirenen und leuchtenden Warnschildern fuhren durch die Straßen, denn die Bewohner mussten bis 18 Uhr evakuiert werden. Die hörenden Bewohner hörten die Sirenen, wussten Bescheid und verließen in Scharen ihre Häuser.
Einige Gehörlose saßen zuhause im Wohnzimmer vor dem Fernseher und erfuhren mit Schrecken von dem Hochwasser. Sie hatten nichts mitbekommen. Aber Gehörlose müssen auch informiert werden in einer derartigen Situation. Auf einmal wird es dunkel in der Wohnung, der Strom wurde abgestellt, der Fernseher geht aus, die Wasserleitungen funktionieren nicht mehr, das Fax geht nicht mehr und die Gehörlosen hatten keine Ahnung was gerade passiert. Das Hoch- wasser überflutet die Straßen, kommt immer näher und steigt immer höher und die Gehörlosen stehen voller Panik in ihrer Wohnung. Das ist alles schon passiert.

Deshalb bitte ich alle gehörlosen Betroffenen, die etwas Derartiges erlebt haben, mir Informationen über ihre Erlebnisse zu schicken. Gerne auch als DGS- Videos oder schriftlich. Bitte erzählt mir von euren Erfahrungen z.B. wenn ihr die Polizeiwägen gesehen habt ohne die Sirenen zu hören, oder wenn ihr alle durchgegebenen Warnungen verpasst habt und euch niemand Bescheid gegeben hat oder ihr z.B. keine Information über die Sturmwarnung bekommen habt. Bitte schickt mir alle eure Erfahrungen.

Das gilt auch für alle Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Notruf z.B. wenn ihr einen Verkehrsunfall hattet und dann nicht wusstet wie ihr jemanden benachrichtigen sollt. Neulich hat mir eine gehörlose Frau berichtet, dass sie einen Verkehrsunfall im Wald hatte. Sie hatte einen Auffahrunfall und ihr Fahrzeug war nicht mehr verkehrstüchtig. Sie konnte nichts machen außer zu warten, da sie niemanden anrufen konnte. Niemand reagierte auf ihre SMS, weil diejenigen nicht mitbekamen, dass sie versucht hatte sie per SMS zu erreichen. Sie ist gehörlos und wusste einfach nicht was sie machen soll. Sie konnte keinen Notruf absetzen und musste 2,5 Stunden von 2 Uhr bis halb 5 Uhr morgens alleine im Wald warten. Um die Uhrzeit war noch nichts los, kein Verkehr. Endlich kam dann das erste Auto und der Fahrer konnte ihr helfen. Um 2 Uhr morgens alleine im Wald zu stehen, das ist doch eine furchtbare Vorstellung. Zum Glück war es nicht so kalt, es kam kein Sturm auf und es entstanden sonst keine weiteren Probleme. Aber was wäre, wenn die gehörlose Frau selbst verletzt gewesen wäre und hätte dann 2-3 Stunden dort ausharren müssen? Das ist doch schrecklich! Wenn ihr so etwas erlebt habt, schickt mir bitte eure Erfahrungen. Es besteht Datenschutz, alles ist anonym. Ihr müsst auch nicht eure Namen nennen, nur eure Erlebnisse schildern. Das war es schon. Vielen Dank für eure Mitarbeit und eure Geschichten.

Vielen Dank.
Tschüß!

 


Pressemitteilung zum Thema ISDN/Telekom

25. Juni 2011

Zum Thema „Produkt- und Leitungsänderungen bei der Telekom“ erreichen uns immer wieder Anfragen.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. hat sich über die Zukunft des ISDN-Anschlusses beim Vorstand der Telekom Deutschland GmbH erkundigt.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung. 


Diskriminierung, keine Barrierefreiheit?

15. Juni 2011 | Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit!

Gerne möchten wir auf einen neuen Service hinweisen, der ab sofort genutzt werden kann. Es handelt sich um ein Beschwerdeblatt, das Sie ausfüllen können, wenn Sie eine diskriminierende Erfahrung gemacht haben bzw. ein Ort, eine Information nicht barrierefrei für Gehörlose zugänglich war.

Wenn Sie das Beschwerdeblatt „Diskriminierung“ ausfüllen und an uns senden, wird sich Wolfgang Bachmann, Präsidiumsmitglied und zuständig für den Bereich Barrierefreiheit, damit befassen. Die Fälle sollen gesammelt, dokumentiert und nach Möglichkeit soweit bearbeitet werden, dass eine Verbesserung der bemängelten Situation erreicht wird.

Mit der Schilderung Ihrer diskriminierenden Erfahrungen deutschlandweit, helfen Sie uns bei unserer politischen Arbeit! Wir versuchen, im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, Deutschland so barrierefrei wie möglich zu machen.

Damit wir wissen, wo es spezielle Barrieren gibt und wo gehörlose Menschen diskriminierend behandelt wurden, brauchen wir SIE!

 

Dass Verbesserungen möglich sind, hat Wolfgang Bachmann selbst erlebt:

„Im Mai 2011 hatte ich ein gutes Gespräch mit dem Verwaltungsdirektor einen Krankenhauses. Ich hatte erfahren, dass eine gehörlose Patientin im Krankenzimmer kein Fernsehgerät mit Untertiteln bekommen hatte. Die Frau hatte darum gebeten, aber die Pflegedirektorin hatte ihre Bitte abgewiesen. Die Begründung war: es handelt sich bei der Bereitstellung eines Fernsehers mit UT-Funktion um eine freiwillige Leistung der Kranken-hausgesellschaft . Sie fühlte sich nicht dafür verantwortlich, ein barrierefreies Gerät zu besorgen, dass man auf den Tisch stellen kann.
Auch wurden Sicherheitsbedenken in Bezug auf Brandschutzvorschriften geäußert.

Ich habe mich daraufhin an den Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft gewandt und sich bei ihm beschwert. Ich bat ihn darum, sich an die gesetzlichen Vorschriften zu halten und gegen solche Diskriminierungen vorzugehen. Er beauftragte daraufhin den Verwaltungsdirektor, sich mit diesem Problem zu befassen und die Angelegenheit mit dem Pflegepersonal zu klären. Das Ergebnis ist so, dass ein gehörlose Patient von nun an ein mobiles Fernsehgerät extra bekommen wird, wenn das Pflegepersonal ihn als gehörlosen Patienten registriert hat und dies dem Verwaltungsdirektor meldet. Das Krankenhaus hat inzwischen zwei mobile Fernsehgeräte angeschafft.

Ich kenn viele ähnliche Geschichten und Aussagen von zahlreichen Gehörlosen aus ganz Deutschland, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Pflegepersonal hat ihnen immer wieder versprochen, das zusätzliche Fernsehgerät zu beschaffen. Immer wieder und an vielen Tagen gab es immer die gleiche Ausrede, so dass die gehörlosen Patienten zum Schluss das Krankenhaus verlassen haben, ohne das untertitelte Fernsehgerät wirklich zu bekommen.

Daher rufen wir nun alle Gehörlosen auf, ein solches Verhalten nicht mehr zu akzeptieren und uns dies zu melden. Am besten sollte das Beschwerdeformular, siehe unten, ausgefüllt und an uns geschickt werden.

Es ist wichtig, diese Fälle zu sammeln, da der Bundesverbandes der Krankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland von dieser Diskriminierung angeblich nichts weiß. Laut dem Verband haben alle gehörlosen Patienten die Möglichkeit, mit Untertiteln fernzusehen.“

Hier können Sie sich das Beschwerde-Formular herunterladen und bei Beschwerdefällen ausfüllen .