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Staatliche Leistungen als Persönliches Budget: Fördermöglichkeiten für Eltern und ihr hörbehindertes Kind

Seit Januar 2008 gibt es einen Rechtsanspruch auf das sogenannte Persönliche Budget nach Paragraf 17 SGB IX. Das Persönliche Budget ist die Bereitstellung von Geldleistungen für Menschen mit Behinderungen, die bestimmte Hilfen benötigen, um am gesellschaftlichen Leben voll teilzuhaben.

Für hörbehinderte Kinder stellt das Persönliche Budget die Möglichkeit dar, eine zweisprachige Förderung unter Einbeziehung der Gebärdensprache zu erhalten. Diese Form der Förderung wird bis heute leider nicht selbstverständlich von staatlicher Seite angeboten.

Anstelle von Dienst- oder Sachleistungen, auf die ein rechtlicher Anspruch besteht, können die LeistungsempfängerInnen auch eine selbst zu verwaltende Geldleistung wählen: das Persönliche Budget. Es sind also keine zusätzlichen Leistungen. Auch Kindern steht ein Persönliches Budget zu. Da sie aber noch nicht volljährig sind, müssen es die Eltern stellvertretend beantragen und verwalten.

Konkret kann diese Förderung beinhalten: Hausgebärdensprachkurse, Elternassistenz, gebärdensprachliche Frühförderung, Kindergartenassistenz, GebärdensprachdolmetscherInnen, SchulbegleiterInnen, Schulassistenz. Diese Leistungen können in der Regel über die Eingliederungshilfe beim örtlichen Sozialamt beantragt werden.

In jüngerer Zeit beantragen immer mehr Eltern mit einem hörbehinderten Kind ein Persönliches Budget für die Früh- und Sprachförderung, den Einsatz von GebärdensprachdolmetscherInnen sowie für Hausgebärdensprachkurse. Leider zeigt sich in der Bewilligungspraxis aber immer wieder, dass es zu extremen Widersprüchen zwischen Rechtsanspruch und Bewilligungspraxis kommt. Eltern hörbehinderter Kinder befinden sich derzeit bedauerlicherweise in der Situation, ihre Rechte und die Rechte ihrer Kinder aktiv einfordern zu müssen: Immer wieder muss man Anträge stellen und manchmal müssen die Rechte sogar vor Gericht eingeklagt werden. Aber es liegen erfreulicherweise erste Urteile aus erfolgreichen Gerichtsverfahren vor, auf die sich Eltern inzwischen berufen können.

Eltern sollten sich nicht davor scheuen, die gesetzlichen Hilfen für ihr Kind auch zu nutzen. Sie haben das Recht, selbst zu bestimmen, wie und von wem ihr Kind gefördert werden soll. Teilhabe heißt: funktionierende Kommunikation zwischen Eltern und Kind, Zugang zu Bildung und deren Zugänglichkeit für hörbehinderte Kinder sowie Chancengleichheit und Selbstbestimmung. Argumente für eine zweisprachige Erziehung Ihres hörbehinderten Kindes finden Sie ausreichend in dieser Publikation.

www.bmas.de/portal/9266/persoenliches__budget.html
www.einfach-teilhaben.de
www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/2009/fruehfoerderung_einfuehrung.htm
www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/2009/fruehfoerderung_ueber_persoenliches_budget.pdf
www.quietschehaende.de

 

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