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InfosGebärdensprache

Was ist Gebärdensprache?
Gebärdensprachen sind visuell-manuelle Sprachen, die natürlich entstanden sind. Gebärdensprachen bestehen neben Handzeichen aus Mimik und Körperhaltung. Sie verfügen über ein umfassendes Vokabular und eine eigenständige Grammatik, die grundlegend anderen Regeln folgt als die Grammatik gesprochener Sprachen. Gebärdensprachen sind ebenso komplex wie gesprochene Sprachen, auch wenn sie anders aufgebaut sind. Von der Sprachwissenschaft sind Gebärdensprachen als eigenständige, vollwertige Sprachen anerkannt.

In der Regel benutzen Gehörlose und stark schwerhörige Menschen in der Kommunikation untereinander Gebärdensprache, denn die Gebärdensprache ermöglicht Gehörlosen im Gegensatz zur Lautsprache eine entspannte und verlässliche Kommunikation.

Ist Gebärdensprache international?
Nein. Gebärdensprachen sind genau wie die Lautsprachen natürlich entstandene Sprachen. Jedes Land hat seine eigene nationale Gebärdensprache, in der sich auch regionale Dialekte entwickelt haben.
Trotzdem klappt die Verständigung auf internationaler Ebene in Gebärdensprache einigermaßen gut. In der Kommunikation mit Gehörlosen, die andere nationale Gebärdensprachen benutzen, verwenden Gehörlose „International Signs“. Dabei handelt es sich nicht um ein einheitliches System, wie bspw. „Gestuno“, das gebärdensprachlichen Pendant zur internationalen Lautsprache „Esperanto“. Die Kommunikation mittels „International Signs“ beruht zum größten Teil auf Wiederholungen, der Übernahme von Landesgebärden und dem Umschreiben von Gebärden und Sachverhalten. Die Kommunikation klappt daher zwar, aber dauert entsprechend länger.

Kann man mit Gebärdensprache alles ausdrücken?
Ja. Gebärdensprachen sind zwar visuelle Sprachen, aber sie sind keine Pantomime. Gebärdensprachen verfügen über eine eigene, vollständige Grammatik und konventionelle Zeichen. Man kann sehr wohl auch abstrakte Sachverhalte damit ausdrücken. Die Vollwertigkeit von Gebärdensprachen wurde im Zuge sprachwissenschaftlicher Forschungen bereits in den 1960er Jahren festgestellt. Trotzdem wurde die Gebärdensprache in Deutschland erst durch das Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes 2002 anerkannt.

Was ist der Unterschied zwischen DGS und LBG?
Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist ein eigenes Sprachsystem mit eigener Grammatik. Bei den Lautsprachbegleitenden Gebärden handelt es sich dagegen nicht um eine eigene Sprache, sondern lediglich um ein Kommunikationssystem, bei dem die Lautsprache unter Beibehaltung der Grammatik des Deutschen von einzelnen Gebärden begleitet wird.

Was ist das Fingeralphabet und wozu benutzen es Gehörlose?
Das Fingeralphabet bildet mittels unterschiedlicher Handformen die Buchstaben des Alphabets ab. Es wird benutzt, um Wörter der Lautsprache zu buchstabieren. In der gebärdensprachlichen Kommunikation wird es überwiegend bei Eigennamen, Fremdwörtern und unbekannten Begriffen verwendet.
Fingeralphabete unterschiedlicher Gebärdensprachen finden Sie z.B. hier.

Ist das Fingeralphabet international?
Nein. Das Fingeralphabet kann von Gebärdensprache zu Gebärdensprache verschieden sein, weil sich die Fingeralphabete überwiegend am Schriftbild der jeweiligen Lautsprache orientieren. Folgende Grundtypen gibt es:
Einhand-Fingeralphabete (z.B. das deutsche oder amerikanische)
Zwei-Hand-Fingeralphabete, (z.B. das britische), die größtenteils versuchen, die Buchstaben des jeweiligen Schriftalphabets mit Hilfe von ein- bzw. zweihändig ausgeführten Handformen zu visualisieren.
Silben-Fingeralphabete, in denen ganze Silben nachbildet werden, da sie sich an Silbenschriften orientieren (z.B. das japanische oder thailändische Fingeralphabet).
Ideogramm-Fingeralphabete, die Ideogramme der gesprochenen Sprache darstellen (z.B. das Chinesische Fingeralphabet)
Weit verbreitet ist jedoch ein internationales Fingeralphabet, das sich überwiegend am Fingeralphabet der USA orientiert. Das deutsche Fingeralphabet basiert auf diesem. Die Handformen des deutschen Fingeralphabets finden hier.

Wie und wo kann ich Gebärdensprache lernen?
Die meisten Landesverbände der Gehörlosen in Deutschland bieten, oft in Kooperation mit Volkshochschulen, Gebärdensprachkurse an. Um Termine für Gebärdensprachkurse zu erfahren, wenden Sie sich bitte an den zuständigen Landesverband der Gehörlosen Ihres Bundeslandes oder schauen Sie hier.

Bücher, Videos und CD-Roms über Gebärdensprache bieten eine gute Unterstützung, können aber Gebärdensprachkurse nicht ersetzen. Am besten übt man Gebärdensprache durch den Kontakt mit Gehörlosen.