Deutscher Gehrlosen-Bund e.V.
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Der Untertitelausbau darf nicht stagnieren und die Gebrdensprache darf nicht im Internet versteckt sein intensiver Austausch bei der Fachtagung Barrierefreie Medien ber mehr Barrierefreiheit im Fernsehen

26. September 2017

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. organisierte am 12. September 2017 die Fachtagung „Barrierefreie Medien“ im ZDF-Kongresszentrum in Mainz, bei welcher über 80 Teilnehmer anwesend waren. Unter den Teilnehmern waren Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete, ein Landesbehindertenbeauftragter, Vertreter des Bundesministeriums Arbeit und Soziales, Rundfunkräte, Medienbeauftragte und Vertreter der Hörbehindertenverbände.

Schirmherrin der Fachtagung war Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder. Grußworte sprachen Heike Raab (Staatssekretärin und Bevollmächtigte beim Bund und in Europa für Medien und Digitales), Dr. Eckart Gaddum (Hauptredaktionsleiter Neue Medien ZDF), Matthias Rösch (Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung des Landes Rheinland-Pfalz), Prof. Dr. Ulrich Hase (Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten – Selbsthilfe und Fachverbände e.V.) und Helmut Vogel (Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V.).

Bernd Schneider (Referatsleiter barrierefreie Medien in der Deutschen Gesellschaft) referierte über die Entwicklung der Untertitel und der Gebärdensprache im Fernsehen.
Seit 2013 sind Gehörlose nicht mehr vom Rundfunkbeitrag befreit. Es gab kurzzeitig einen starken Anstieg der barrierefreien Angebote, aber seitdem stagniert der Ausbau der Untertitelung. Die Verbände fordern eine jährliche Steigerung um 10%, bis 100% erreicht sind, um keine weiteren 30 Jahre auf ein vollständig barrierefreies Angebot warten zu müssen. Von der Teilhabe am Medienangebot, wie sie in der 2009 von Deutschland ratifizierten „UN-Konvention für Menschen mit Behinderung“ gefordert wird, ist man noch ein gutes Stück entfernt.

Annegret Haage (Wiss. Mitarbeiterin der technischen Universität Dortmund) stellte die repräsentative Studie zur Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen vor. Diese wurde im Auftrag der Aktion Mensch und der Medienanstalten durch die Technische Universität Dortmund und das Hans-Bredow-Institut durchgeführt. 86% der Zuschauer mit Hörbehinderung gaben an, dass sie dem Programm nicht immer folgen können. Das lineare Fernsehen ist der Ort, an dem gleichberechtigte Teilhabe gewünscht wird. Es reicht nicht aus, Angebote in Gebärdensprache ausschließlich im Internet anzubieten.

H.- Günter Heiden, Publizist und Koordinator der BRK-Allianz von 2011 – 2015 stellte das Ergebnis der Staatenprüfung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Bezug auf Untertitel und Gebärdensprache bei öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern dar. Er betonte, dass eine Konkretisierung und Verschärfung des Rundfunkstaatsvertrages unbedingt erforderlich ist. Hierzu sollten auch die Landesrundfunkgesetze und Landesmediengesetze einbezogen werden. Nach der Mittagspause stellten Georg Schmolz (ARD), Jürgen Kleinknecht (ZDF), Ferdinand Sacksofsky (ProSiebenSat. 1 Media SE) und Maren Rolfes (Mediengruppe RTL Deutschland GmbH) die barrierefreien Angebote ihrer Rundfunkanstalt vor. Sie nahmen zusammen mit den Medienpolitischen Sprechern Josef Dötsch (CDU) und Daniel Schäffner (SPD) sowie der behindertenpolitschen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Katrin Werner, und Bernd Schneider von der Deutschen Gesellschaft, auf dem Podium Platz und diskutierten den Weg zu einem barrierefreien Medien-Angebot.

Nach dem 21. Geschäftsbericht der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) ist bis 2020 eine jährliche Steigerung von ca. 3,4 % für den Ausbau der Barrierefreiheit geplant. Bei Sendern, die bisher noch keine bis wenig Untertitel ausstrahlen wie z.B. Phoenix, Arte oder ARD Alpha müssten Gehörlose weitere 30 Jahre warten, bis 100% erreicht sind.

Der Bayerische Rundfunk finanziert „Sehen statt Hören“, die einzige vollständig inklusive Sendung im linearen TV-Programm, zu über 90% allein. Dadurch steht dem Sender weniger Geld für den Ausbau der Untertitelung zur Verfügung. Da erfreulicherweise nahezu alle Dritten Programme der ARD die Sendung übernehmen, sollten sich aus Gründen der Gleichbehandlung auch alle ARD-Rundfunkanstalten entsprechend ihrem Anteil an den Gebühreneinnahmen an der Finanzierung beteiligen.

Unser besonderer Dank gilt der Krankenkasse „DAK Gesundheit“ und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), mit deren freundlicher Unterstützung wir die Fachtagung realisieren konnten.

Unsere Pressemitteilung 13/2017 in pdf-Datei können Sie lesen und gerne weiterleiten.

Videofilme:

Fotos:


Sendungen in Gebrdensprache zur Bundestagswahl

31. August 2017

Die ARD wird die sieben Live-Sendungen zur Bundestagswahl 2017 für gehörlose Menschen erstmals mit Gebärdensprach-Übersetzungen zur Verfügung stellen.

Geplant ist das Angebot live und On Demand auf DasErste.de und ARD.de sowie - eine Premiere - live und On Demand im HbbTV-Angebot des Ersten.

Es handelt sich um eine Gemeinschaftsprojekt von BR, NDR, WDR, Phoenix, ARD Playout Center und ARD Hauptstadtstudio.

Die gemeinsam mit dem ZDF produzierten Sendungen „Die Schlussrunde der Spitzenkandidaten“ und die „Berliner Runde“ werden ebenfalls mit Gebärdenübersetzung auf den genannten Verteilwegen zu sehen sein. Das Signal steht auch den Online-Plattformen des ZDF zur Verfügung.

Darüber hinaus wird die gemeinsame Sendung von ARD, ZDF, SAT1 und RTL „Das TV-Duell: Merkel - Schulz“ am kommenden Sonntag, 3. September 2017, zeitgleich mit Gebärdenübersetzung live auf Phoenix ausgestrahlt.

Die Live-Wahlsondersendungen des Ersten im Überblick

03.09.2017 20.15 Uhr
Das TV-Duell: Merkel – Schulz (mit Gebärdensprache live auf Phoenix, Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV)

04.09.2017 20.15 Uhr
Der Fünfkampf nach dem Duell (BR/WDR, mit Gebärdensprache Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV; anschl. Hart aber fair mit Gebärdensprache Online)

11.09.2017 20.15 Uhr
Wahlarena - mit Angela Merkel (NDR/WDR, mit Gebärdensprache Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV; anschl. Hart aber fair mit Gebärdensprache Online)

18.09.2017 20.15 Uhr
Wahlarena - mit Martin Schulz (NDR/WDR, mit Gebärdensprache Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV; anschl. Hart aber fair mit Gebärdensprache Online)

21.09.2017 22.00 Uhr
Schlussrunde der Spitzenkandidaten (ARD-Hauptstadtstudio/ZDF; mit Gebärdensprache Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV)

24.09.2017 17.15 Uhr
Bundestagswahl 2017 (ARD-Hauptstadtstudio; mit Gebärdensprache Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV)

24.09.2017 20.15 Uhr
Berliner Runde (ARD-Hauptstadtstudio/ZDF; mit Gebärdensprache Online und im Ersten über die ARD Startleiste in HbbTV)

Alle Sendungen werden zudem live untertitelt.


Pressemitteilung 9/2017

22. August 2017

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, ist unsere Schirmherrin für die Fachtagung „Barrierefreie Medien“ 

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. organisiert die Fachtagung „Barrierefreie Medien“.
Diese findet am Dienstag, den 12. September 2017, im ZDF Sendezentrum 1, Kasinogebäude, Konferenzraum K3, ZDF-Str. 1, in 55127 Mainz statt.

Ziel der Fachtagung ist eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrags, um den Ausbau barrierefreier Angebote innerhalb eines zeitlichen Rahmens mit konkreten Mindestanforderungen zu regeln.

Seit 2009 schreibt der Rundfunkstaatsvertrag lediglich vor, dass die Fernsehsender barrierefreie Angebote im Rahmen ihrer technischen und finanziellen Möglichkeiten ausbauen sollen. Während einige Fernsehanstalten den Anteil von untertitelten Sendungen stark erhöht haben, sind andere, insbesondere bei der Gebärdensprache im Fernsehen, weit hinter den Erwartungen zurück geblieben.

Als 2013 der Rundfunkbeitrag die GEZ-Gebühr abgelöst hat, haben die Hörbehindertenverbände ihre Gebührenbefreiung zugunsten eines stärkeren Ausbaus der barrierefreien Angebote aufgegeben. Das Ziel von 100% Untertitel, 5% Gebärdensprache und Clean Audio ist jedoch noch längst nicht erreicht.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. hat zur Fachtagung „Barrierefreie Medien“ Entscheidungsträger, Politiker, Rundfunkräte und Mitarbeiter der Fernsehanstalten eingeladen. Es werden bis zu 100 Teilnehmer erwartet. Die Veranstaltung wird in Deutscher Gebärdensprache, in Deutscher Schriftsprache und in Deutscher Lautsprache abgehalten und entsprechend von sechs Dolmetschern übersetzt.

Unser besonderer Dank gilt der Krankenkasse „DAK Gesundheit“ und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), mit deren freundlicher Unterstützung wir die Fachtagung realisieren können.

Weiteres erfahren Sie in den Anhängen zum Programm der Fachtagung „Barrierefreie Medien“ (Änderungen vorbehalten), Pressemitteilung 9/2017 und in den Hintergrundinformationen zu den barrierefreien Medien für Menschen mit Hörbehinderungen.